Interview mit der Clustermanagerin für Kunststoffe und Chemie

April 2014 - Im April führte die INKOM ein Interview mit der Clustermanagerin für Kunststoffe und Chemie, Frau Kerstin Dohrmann. Sie gibt Auskunft darüber, wie sich die Clusterpolitik in den nächsten Jahren entwickeln wird und welche Bedeutung die Clusterzugehörigkeit gerade für kleine und mittelständische Unternehmen hat.

Kerstin Dohrmann

1. Wie wird die Clusterpolitik im Cluster Kunststoffe/Chemie umgesetzt, wo stehen wir heute und was erwartet uns in diesem Jahr, wie ist der aktuelle Stand zum Masterplan?


Mit dem Aufbau eines Clusters Kunststoffe und Chemie hat die Landesregierung Brandenburg ein deutliches Bekenntnis zur Chemie- und Kunststoff-Industrie und deren Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Brandenburg abgegeben.
Das Ziel des Clusters ist es, die Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen weiter zu verbessern, um somit den Wirtschaftsstandort Brandenburg und damit auch das Land zu stärken.
Zum Brandenburger Cluster Kunststoffe und Chemie gehören Unternehmen, Netzwerke, Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen, Wirtschaftsförderer sowie Akteure aus Politik und Verwaltungen, die sich gemeinsam für die weitere positive Entwicklung der Branche als starke Säule der Brandenburger Wirtschaftsstruktur engagieren.
Durch gezielte Aktivitäten sollen die Akteure innerhalb des Clusters, aber auch Cluster und Länder übergreifend, enger miteinander vernetzt, der Wissens- und Technologietransfer aktiv unterstützt und dadurch ein Mehrwert für alle Beteiligten generiert werden.
Schwerpunktmäßig werden im Cluster Maßnahmen zur Unterstützung bei der Internationalisierung, zur Fachkräftesicherung und zur Unterstützung bei der Sicherstellung einer optimalen logistischen Anbindung an regionale und überregionale Märkte entwickelt. Durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit werden die Leistungs- und Innovationsfähigkeit des Clusters sowie der Kompetenzen der handelnden Akteure besser sichtbar gemacht.
Aufgrund der starken Verflechtung einer großen Zahl von Unternehmen der Chemie- und Kunststoffbranche mit bedeutenden Wirtschaftszweigen wie Medizintechnik/Pharma, Energietechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, Optik, Fahrzeugbau und viele andere mehr bestehen zahlreiche Schnittstellen zu den länderübergreifenden Clustern mit Berlin. In den Querschnittsthemen Werkstoffe/Materialien und Clean Technologies liegen weitere Chancen für das Cluster und ein hohes Innovationspotenzial, das durch interdisziplinäre und Cluster übergreifende Zusammenarbeit erschlossen werden kann.
Nach außen wird das Cluster durch den Clustersprecher repräsentiert. Wir freuen uns, dass wir dafür den Vorsitzenden der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide GmbH, Herrn Dr. Karl-Heinz Tebel gewinnen konnten.
Die Umsetzung von Aktivitäten wird durch das Clustermanagementteam unterstützt.
Zur strategischen Ausrichtung des Clusters berät ein strategischer Beirat.
Der strategische Beirat setzt sich aus Vertretern aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Verbänden, Netzwerken und Sozialpartnern zusammen und berät bei der strategischen Ausrichtung der Clusterentwicklung. Insbesondere durch seine interdisziplinäre Zusammensetzung bindet auch der Beirat Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen - sowohl regional als auch überregional - in den Clusterprozess ein.
Ein Fokus der Aktivitäten des Clusters in den vergangenen Monaten lag auf der Identifizierung und Ausgestaltung von Handlungsfeldern. Kompetente Vertreter aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbänden haben sich in Expertenkreisen und Handlungsfelddialogen mit ihren konkreten Vorstellungen eingebracht. Innerhalb der Expertenkreise der Handlungsfelder und auch zwischen den verschiedenen Handlungsfeldern findet ein intensiver Austausch statt.
Als Handlungsfelder im Cluster wurden die Fachthemen „Biopolymere“, „Leichtbau / Verbundwerkstoffe“, „Spezialitätenchemie“ und die Querschnittsthemen „Standorte für Kunststoffe und Chemie“, „Logistik für Kunststoffe und Chemie“ sowie Fachkräftesicherung mit Fokus MINT identifiziert.
Ziele, Maßnahmen und wichtige Schlüsselprojekte werden im Masterplan des Clusters festgeschrieben, quasi der Handlungsleitfaden der nächsten Jahre.
Übrigens hatte jeder, der sich dafür interessiert hat, die Möglichkeit, sich aktiv in die Diskussion zum Masterplan des Clusters einzubringen und die vorgeschlagenen Handlungsfeldinhalte in einem Online-Dialogformular auf unserer Clusterwebseite zu kommentieren und zu ergänzen.
Der Masterplan des Clusters Kunststoffe und Chemie soll in den nächsten Wochen verabschiedet werden. Wir wollen die Clusterkonferenz am 5. Mai auch dazu nutzen, die Inhalte aus den sechs Handlungsfeldern im Rahmen einer Podiumsdiskussion vorzustellen.
Der beste Plan nützt aber nichts, wenn er nicht umgesetzt wird. Deshalb machen wir uns bereits jetzt Gedanken, wie konkrete Maßnahmen in den Handlungsfeldern umgesetzt werden können und wie wir unsere Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen bei der Realisierung geplanter Projekte unterstützen können.


2. Welche Bedeutung hat gerade für KMU die Clusterzugehörigkeit, wie stellt sich der Mehrwert dar?


Zum Cluster gehören alle Unternehmen und Handwerksbetriebe aus der Chemie- und Kunststoff-Industrie, aber auch periphere Bereiche wie Maschinen- und Apparatebau, Großhandel und Dienstleister mit Bezug zu Kunststoff und Chemie sowie alle Forschungseinrichtungen mit Aktivitäten in diesen Bereichen. Verbände und Netzwerke mit Partnern aus diesen Bereichen, Kammern Sozialpartner und Verwaltung sind ebenfalls in das Cluster eingebunden und sind zur Mitarbeit im Cluster eingeladen. Das ist neu, denn früher haben wir uns ausschließlich auf die Bereiche der gewerblichen Wirtschaft konzentriert. Heute können wir im Cluster von der Idee über die gesamte Wertschöpfungskette der Entwicklung und Erprobung bis hin zur Anwendung Kooperationspartner vermitteln und Projekte betreuen. Das ist ein enormer Vorteil insbesondere für KMU und eröffnet völlig neue Möglichkeiten.
Die offene Kommunikation der verschiedenen Partner untereinander bildet die Grundlage für einen intensiven Erfahrungsaustausch. Neben den regional ansässigen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbänden organisieren wir auch eine überregionale und internationale Zusammenarbeit mit passenden Partnern. Besonders gute und bewährte Kontakte haben wir zu angrenzenden Clustern in Mitteldeutschland, Mecklenburg-Vorpommern, aber auch Österreich, Polen, den Niederlanden oder Schweden, die wir für Projektansätze und Kooperationsangebote nutzen wollen.
Das Cluster bietet also beste Voraussetzungen, um vorhandene Unternehmens-, Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sinnvoll zu bündeln und interessierten Unternehmen bei der Entwicklung von Produkt- und Prozessinnovationen zur Seite stehen. Auch in Querschnittsbereichen wie die Entwicklung der Chemiestandorte im Land, die Optimierung der Logistik für Kunststoffe und Chemie und die Fachkräftesicherung verfolgen wir klar umrissene Ansätze, die den Industriestandort Brandenburg stärken und die unternehmerische Basis sichern helfen.
So haben sich Unternehmer in Neuruppin anlässlich eines regionalen Clusterdialoges kürzlich darüber verständigt, ihre Aktivitäten zur Fachkräftesicherung künftig zu bündeln und das Problem gemeinsam anzugehen. Unterstützt werden sie dabei auch durch unsere Projektmanager in den ZAB-Regionalcentern.
In Planung für dieses Jahr befindet sich auch ein Kompetenzatlas für das Cluster, in dem sich jedes Unternehmen und jede Forschungseinrichtung des Clusters mit seinen speziellen Kompetenzen, seinem Know-how präsentieren kann. Wir hoffen hier auf großes Interesse bei unseren Clusterakteuren und appellieren schon jetzt an alle, sich mit einzubringen.
Weiterhin werden wir gemeinsam mit unseren Partnernetzwerken eine Reihe an Veranstaltungen und Workshops anbieten sowie auf Gemeinschaftsständen, wie zum Beispiel zur Fachmesse FAKUMA, Präsenz zeigen und die Teilnehmer mit einer Kooperationsbörse bei der Messe unterstützen.


3. Welchen Service bietet dabei die ZAB, insb. das Clustermanagement und wie kann dieser in Anspruch genommen werden?


Informieren und beraten, integrieren, vernetzen, unterstützen und koordinieren – das sind die Schlagworte, die mir bei dieser Frage spontan einfallen.
In erster Linie organisieren wir den Austausch der Unternehmen untereinander und vernetzen sie darüber hinaus mit Akteuren aus der Wissenschaft und der Forschung sowohl regional, überregional und international. Das Clustermanagement arbeitet dabei sehr eng mit den Kollegen der Fachteams in der ZAB zusammen, wie zum Beispiel im Team Industrie, mit den Kollegen der Außenwirtschaft und den Managements anderer Cluster.
Die ZAB ist in allen Fragen der Wirtschaftsförderung kompetenter Ansprechpartner. Ob Unternehmenserweiterung, Fachkräftesicherung, Standortsuche oder Forschungskooperation - wir bieten Interessenten komplette Servicepakte inklusive kompetenter Beratung und Betreuung an -individuell, vertraulich und kostenfrei.
Neu in der ZAB ist seit Anfang des Jahres der Bereich ZAB Arbeit als Ansprechpartner für die Themen Fachkräfte, Weiterbildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Integration in Arbeit und für arbeitspolitische Instrumente im Land Brandenburg. Hierzu bieten wir ein breites Spektrum von Beratungs- und Serviceleistungen, bedarfsgerecht zugeschnittenen Konzepten und die effektive Umsetzung finanzieller Förderprogramme.
Es sind eigentlich nur zwei Dinge notwendig – wir müssen von den Anforderungen und Bedürfnissen der Unternehmen erfahren, damit wir unterstützen und Lösungen anbieten können. Das geht ganz einfach über Telefon oder E-Mail an das Clustermanagement oder die Projektmanager in den Regionalcentern der ZAB.
Und wir brauchen engagierte Partner in allen Bereichen, die den Clusterprozess mit uns gemeinsam weiter ausgestalten.


Kontakt Clustermanagement:

Kerstin Dohrmann
Tel. 0331/660-3290
Kuche-brandenburg@zab-brandenburg.de


Kontakt Regionalcenter Nordwest:

Falko Stephan Tel. 3391/7759812
Falko.stephan@zab-brandenburg.de