Interview mit dem Clustersprecher des Clusters Gesundheitswirtschaft

Mai 2014 - Am 21. Mai führte die INKOM Neuruppin GmbH ein Telefoninterview mit dem Clustersprecher des Clusters Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg, Herrn Prof. Dr. Walter Rosenthal.

Prof. Walter Rosenthal, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes und Wissenschaftlicher Vorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. (Photo: Steffen Weigelt/ Copyright: MDC)

Herr Prof. Dr. Rosenthal, was ist eigentlich die Aufgabe eines Clustersprechers?

Der Clustersprecher ist gemeinsam mit dem Clustermanagement für die Strategie und die Programmatik des Clusters verantwortlich, stellt wichtige Außenkontakte her, ist in der Lobbyarbeit aktiv und bemüht sich auch um die Einwerbung und Organisation finanzieller Mittel. Eine wichtige Aufgabe darüber hinaus ist es, die Internationalität des Clusters zu stärken. Mein persönliches Ziel ist es, die Region Berlin-Brandenburg als Modellregion zu etablieren, in der Hightech aus Forschung, Medizintechnik und Anwendung mit der breiten Versorgung auch in der Fläche verbunden ist. Hier sehe ich ein großes Potenzial für unsere Region.

Wenn wir über die Clusterentwicklung sprechen, wo stehen wir da aktuell und was erwartet uns in diesem Jahr?

Den Entwurf des Masterplans haben wir im Herbst 2013 vorgestellt. Gegenüber dem alten Masterplan ist er massiv gestrafft worden. So haben wir jetzt statt zehn nur noch vier Handlungsfelder: Biotechnologie und Pharma; Medizintechnik; neue Versorgungsformen und Rehabilitation sowie Gesundheitsförderung, Prävention, Gesundheitstourismus. Zu jedem Handlungsfeld ist ein Handlungsfeldmanager etabliert inklusive der notwendigen Beratungsgremien. Ziel ist es, auch zwischen den Handlungsfeldern mehr Interaktion zu schaffen, mehr gemeinsame Projekte zu entwickeln und aktiv die Wirtschaft zu fördern. Die Modellregion soll so stärker als bisher davon profitieren. Der Masterplan wird in den nächsten Wochen in der endgültigen Fassung fertig gestellt sein und bis zum Sommer veröffentlicht, unter anderem über die Homepage der ZAB.

Masterplan ist ein gutes Stichwort. Wie soll dieser umgesetzt werden und  was kann ich als Unternehmer davon erwarten?

Wir haben in Berlin und Brandenburg  hervorragende Forschungseinrichtungen, die deutschlandweit und international führend sind. Das Wissen und die Ergebnisse müssen noch besser als bisher in die Praxis, also zu den Unternehmen transportiert werden. Das gelingt, wenn wir Wirtschaft und Forschung besser vernetzen. In der Region Berlin-Brandenburg arbeiten ca. 300.000 Beschäftigte in der Gesundheitswirtschaft, wir haben etwa 200 Biotechnologieunternehmen, 280 Medizintechnikunternehmen und 30 Pharmaunternehmen. Das ist schon ein sehr gutes Potential. Wichtig ist es aber auch, die Durchlässigkeit in Richtung der kleinen Unternehmen zu verbessern. Mit Fertigstellung des Masterplanes werden zu den Projektplänen dann natürlich auch Fördermittel eingeworben – hier spielt das Cluster eine zentrale Rolle.

Ein weiteres Thema ist die Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum. Zum einen ist die Umgestaltung der Krankenhäuser zu integrierten Gesundheitszentren notwendig. Das heißt, dass neben der stationären Versorgung auch ambulante Versorgung und weitere medizinische Dienstleistungen angesiedelt werden. Hier gilt es, Modellprojekte zu entwickeln und zu fördern.

Unter Versorgungsaspekten bietet die Telemedizin eine besondere Perspektive. Der Patient wird seine Daten an den Arzt aus der Ferne übergeben können. Gerade im ländlichen Raum erspart das dem Patienten laufende Arztbesuche. Das reduziert, aber beseitigt nicht die Begegnungen von Arzt und Patient.

Im Gesundheitstourismus ergeben sich besondere Perspektiven. Auf der einen Seite die dicht besiedelte Metropolregion Berlin-Potsdam, auf der anderen Seite die naturräumliche Ausstattung des Umlandes. Mit diesen Startvoraussetzungen sollte es gelingen, nicht nur Berliner in das Umland zu ziehen, sondern auch neue Zielgruppen von Außerhalb zu gewinnen. Während wir Berlin-Potsdam eher als Standort für die Hightech-Medizin und den Medizintourismus sehen, ist das Umland nahezu ideal für gesundheitstouristische Angebote.

Es muss uns also gelingen, die Versorgungsbereiche Berlin und Brandenburg gut miteinander abzustimmen, die Forschungsergebnisse auch im Umland in die breite Anwendung zu bringen und dann den entstandenen Raum für Unternehmen zu nutzen, die diese Ergebnisse umsetzen.

Wie kann sich ein Unternehmer aus Ihrer Sicht im Cluster Gesundheitswirtschaft engagieren?

Am allerbesten natürlich mit Projektideen. Mit diesen sollte er sich direkt an das entsprechende Handlungsfeldmanagement wenden:

Medizintechnik: Dr. Helmut Kunze 

Biotechnologie: Dr. Günter Peine

Versorgung und Rehabilitation: Harald Mylord 

Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitstourismus: Anja Städele 

Herr Prof. Dr. Rosenthal, wie sehen Sie die Rolle des RWK Neuruppin im Cluster Gesundheitswirtschaft?

Neuruppin hat sehr gute Versorgungsstrukturen, eine hervorragende Naturlandschaft sowie ein sich entwickelndes Kulturangebot. Dieses und die Nähe zu Metropolregion bieten beste Chancen, Angebote zur Prävention und für den Gesundheitstourismus auszubauen. Für medizintechnische Startups gibt es an den Ruppiner Kliniken sehr gute Bedingungen. Auch hier sehe ich ein Potential für die Region. Es ist so gewollt, dass Krankenhäuser die medizinische Versorgung sicherstellen, aber auch als Kristallisationskern für weitere Angebote zur Verfügung stehen.



Weiterführende Informationen

Clusters Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg