Horizont 2020 - Das neue EU Rahmenprogramm

August 2014 - Horizont 2020 heißt das neue EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, das sich an Unternehmen, Netzwerke, Universitäten und Verbände richtet. Ein besonderes Augenmerk richtet es auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Das war uns Anlass, mit Frau Ulrike Munz vom Team Außenwirtschaft und Europaservice der ZAB ein Interview zu den Zielen und Rahmenbedingungen des Programms zu sprechen.

Frau Ulrike Munz vom Team Außenwirtschaft und Europaservice der ZAB

Frau Munz, was ist Horizont 2020, welche Ziele werden verfolgt und wie ist das Programm aufgebaut?

Horizont 2020 ist das neue EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation für den Förderzeitraum 2014-2020. Es fördert erstmalig Forschung, Entwicklung und Innovation aus einem Guss. Somit hält das Rahmenprogramm Fördermöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette bereit - von der Grundlagenforschung bis zum marktnahen Innovationsprojekt. Mit einem Budget von knapp 80 Mrd. Euro und einer Laufzeit von 7 Jahren verfügt Horizont 2020 über einen beachtlichen Finanzrahmen. Durch intelligente Lösungen und bahnbrechende Innovationen soll die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft langfristig gestärkt werden. Die Europäische Kommission fördert im Rahmen von Horizont 2020 Projekte, die neue Lösungsansätze für gesamtgesellschaftliche Fragestellungen bieten. Letztlich können transnationale Herausforderungen wie z.B. der Klimawandel oder die Stärkung der industriellen Führungsrolle Europas nur durch interdisziplinäre und transnationale Projektkonsortien gelöst werden.


Welche Zielgruppen werden angesprochen und welche Fördermöglichkeiten hält das Programm insbesondere für KMU bereit?

Förderfähig sind alle juristischen Personen in den EU Mitgliedsstaaten und den assoziierten Ländern. Große Unternehmen, Universitäten, Verbände, Netzwerke und außeruniversitäre Einrichtungen können gleichermaßen teilnehmen. Das Augenmerk richtet sich aber insbesondere auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), nicht zuletzt weil sie das Rückgrat der europäischen Wirtschaft ausmachen. 20 % des Budgets aus den Bereichen "Führende Rolle bei grundlegenden und industriellen Technologien" und "Gesellschaftliche Herausforderungen" soll an KMU fließen. 13 % sollen über die klassischen Verbundprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gefördert werden, während 7% für das sogenannte KMU-Instrument bestimmt sind. Mit diesem neuen Förderinstrument unterstützt die Europäische Kommission den gesamten Innovationszyklus hochinnovativer KMU. Die Erstellung eines Businessplanes in der ersten Phase ist ebenso förderfähig wie die Durchführung von Demonstrationsaktivitäten oder die Entwicklung eines Piloten in der zweiten Phase. In der dritten Phase steht die Kommerzialisierung im Vordergrund. Eine nicht-monetäre Unterstützung wie der erleichterte Zugang zu Risikofinanzierung und die Vermittlung passender Coachingmaßnahmen sind in dieser Phase zentrale Fördergegenstände. Mit diesem Ansatz sollen innovative Verfahren, Dienstleistungen und Produkte schneller auf den europäischen Markt gebracht werden. Weitere Gelder werden für KMU i.R. der sogenannten Marie-Sk?odowska-Curie-Maßnahmen, vergeben. Über dieses Förderinstrument können z.B. Forschungsaufenthalte von Doktoranden in Unternehmen finanziert werden.


Was sollte ein Unternehmen vor der Teilnahme berücksichtigen?

Interessenten sollten ergebnisorientiert denken. Es geht nicht darum die eigene Technologie oder das Produkt ein wenig zu optimieren, sondern es werden seitens der Europäischen Kommission Problemstellungen definiert und ein Antragssteller muss aufzeigen können, dass sein Projekt einen entsprechenden Lösungsweg bereithalten kann und er die strategische Einbettung von Horizont 2020 bei der Projektentwicklung berücksichtigt hat. Natürlich müssen der entsprechende Innovationsgehalt und der europäische Mehrwert erkennbar sein. Hält mein Ansatz lediglich Lösungen für eine bestimmte Region bereit oder ist auch das Anwendungspotenzial in mehreren Ländern Europas gegeben? Damit geht auch die Bereitschaft einher, in einem interdisziplinären und grenzüberschreitenden Konsortium arbeitsteilig zu agieren. Die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene beinhaltet zwar unglaubliche Chancen aber eben auch gewisse Risiken. Neben interkulturellen Konflikten können auch patentrechtliche Herausforderungen die Zusammenarbeit belasten. Eine gute und langfristige Vorbereitung, die z.B. die Auswahl der Projektpartner oder den frühzeitigen Schutz des geistigen Eigentums beinhaltet, ist also für eine erfolgreiche Kooperation über mehrere Jahre entscheidend.


Wer steht unseren Unternehmen beratend und unterstützend zur Verfügung?

Die Suche nach geeigneten Konsortialpartnern aus dem europäischen Ausland gestaltet sich für KMU oft schwierig. Die Recherche kostet personelle und finanzielle Ressourcen. Hier schafft das Enterprise Europe Network Berlin-Brandenburg (EEN )Abhilfe. In Brandenburg sind die ZAB ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH und die IHK Ostbrandenburg Mitglied im Netzwerk. Mithilfe der 500 Netzwerkpartner in Europa und darüber hinaus können wir schnell, unbürokratisch und kostenfrei nach passenden Projektpartnern recherchieren. Neben der Kooperationsvermittlung ist die Horizont 2020 Projektberatung integraler Bestandteil des Horizont 2020 Services des EEN. Interessierte KMU können sich jederzeit an uns wenden und im Rahmen eines individuellen Beratungsgespräches in Erfahrung bringen, inwieweit ihre Projektidee Aussicht auf Förderung hat.

Kontaktdaten:

Ulrike Munz

Enterprise Europe Network Berlin-Brandenburg
Team Außenwirtschaft, Europa-Service
ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH
Steinstraße 104-106
14480 Potsdam

Tel. +49 331 660-3221
Fax +49 331 660 3235
ulrike.munz@zab-brandenburg.de



Weiterführende Informationen

Institution

ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH


Informationsmittel

Broschüre Horizont 2020 (PDF)