Flüchtlinge in der Region als Chance für unsere Unternehmen

November 2015 - Flüchtlinge in der Region als Chance für unsere Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt zu verstehen sind beliebte Schlagworte dieser Tage. Wie es in der Realität funktionieren kann, zeigen die Holzwerke Bullinger GmbH & Co. KG in Werder bei Neuruppin. Das Unternehmen ist einer der größten europäischen Hersteller für Brettschichtholz und Konstruktionsholz. Stefanie Bullinger, Geschäftsführerin des Unternehmens und Ali Al Hashash, Auszubildender im Unternehmen, standen für den Newsletter Rede und Antwort:

Mit offenem Blick und einem freundlichen Lächeln steht er im Raum und begrüßt höflich seine Chefin und die Mitarbeiter der REG. Ganz selbstverständlich stellt er sich vor, mit seinem Namen und natürlich mit Händedruck. Ali Al Hashash heißt er und kommt aus Itlib in Syrien. Seine Heimatstadt, die im Nordwesten des Landes und ca. 30 km von der türkischen Grenze entfernt liegt, ist etwas größer als Potsdam. Nun ist er hier, in Werder bei Neuruppin.

Newsletter: Frau Bullinger, wie ist denn der Kontakt zu Ihrem neuen Azubi entstanden und was macht er derzeitig bei Ihnen?

Stefanie Bullinger: Der Kontakt kam über Frau Seidel vom Übergangswohnheim zustande. Sie hatte mich angerufen, da wir noch einen freien Ausbildungsplatz zum Mechatroniker ausgeschrieben hatten. Diesen hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt nicht mit einem geeigneten Bewerber besetzen können. Die Anforderungen für diese Ausbildung sind doch sehr hoch. Wir haben dann gemeinsam ein vierwöchiges Praktikum vereinbart. Dieses hat er in dem Team absolviert, in dem er auch den praktischen Teil der Lehre absolviert, in der Instandhaltung. Nach den vier Wochen haben wir das Team entscheiden lassen. Das war uns wichtig, zum einen entsteht für das Team ein zusätzlicher Zeitaufwand, zum anderen muss er ja auch fest integriert werden können. Nicht alle unserer Mitarbeiter hatten bisher so engen Kontakt zu Flüchtlingen und leider gibt es ja auch immer noch Vorurteile. Inzwischen ist er (mit dem Praktikum) 2,5 Monate im Unternehmen und inzwischen Auszubildender zum Mechatroniker bei uns. 

Newsletter: Welche Hürden gab und gibt es denn, die gemeinsam überwunden werden müssen?

Stefanie Bullinger: Wir haben ja im Unternehmen bereits einen Azubi aus Spanien und insofern schon einige Einstiegserfahrungen. Gleichzeit ist unser Spanier ein guter Mentor für Ali und kann ihm hier und da die Tür leichter öffnen. Bürokratisch Hürden gab es in dem Sinne keine und unser Kontakte zur Arbeitsagentur und den notwendigen Institutionen sind gut. Schwierig ist das Thema Sprache. Hier im Unternehmen eher weniger, da läuft die Verständigung. Aber in der Berufsschule ist es schwieriger. In Zusammenarbeit mit der Berufsschule in Hennigsdorf können wir Ali hierbei aber auch im Unternehmen unterstützen. Problematisch ist es dann noch die Mobilität. Er hat noch keinen Führerschein und kein Auto und mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind wir (auch aufgrund der Schichtarbeit) schlecht erreichbar. Daher wohnt Ali in der Pension hier im Temnitzpark. Das kann, auch finanziell gesehen, aber nur eine Zwischenlösung sein. Natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass auch kulturelle Unterschiede überwunden werden müssen. Insofern ist die Integration in das Team und allgemein schon eine Aufgabe. Die Menschen hier müssen sich daran gewöhnen, dass die Gesellschaft wirklich bunter wird. Ali ist für Flüchtlinge schon so eine Art Eintrittskarte, wenn´s mit ihm funktioniert, dann ist es gut, wenn nicht, dann ist die Tür ein Stück wieder geschlossen. Er hat auch diese Verantwortung aus meiner Sicht gut verstanden.

Newsletter: Herr Al Hashash, was haben Sie in Ihrer Heimat gemacht, wie lange sind Sie denn schon in Deutschland und wie geht es Ihnen hier gerade?

Ali Al Hashash: Ich habe 3 Jahre Mathematik studiert und stand 1 Jahr vor meinem Abschluss, den konnte ich also nicht mehr machen. Ich bin nun 23 Jahre alt und seit 1 Jahr und 3 Monaten in Deutschland. Ich bin Frau Bullinger so dankbar, dass ich hier die Ausbildung machen darf, denn ich dachte, dass ich aufgrund der Sprache hier nichts finde. Inzwischen habe ich hier auch eine Freundin aus Neuruppin. Leider habe ich noch keinen Führerschein, der ist ja auch teuer. Dann hatte ich mal ein Interview mit der Zeitung und ein Neuruppiner Zahnarzt stiftet mir jetzt die Führerscheinausbildung. Das ist wirklich toll. Das Lernen der Sprache für den Einstieg war aber das Schwierigste.

Newsletter: Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ali Al Hashash: Mein größter Wunsch ist es, dass der Krieg in Syrien beendet wird und ich meine Familie wieder treffen kann, die ich seit zwei Jahren nicht gesehen habe. Ein Teil meiner Geschwister ist in der Türkei, meine Eltern mit einem Bruder noch in Syrien. Das sind einfach sehr viele Sachen zur gleichen Zeit- die Ausbildung und die Sorge um die Familie.

Ali Al Hashash in der Werkstatt
Ali Al Hashash in der Werkstatt